Die Heimatstadt des 40jährigen Syrers Hadi Soufan ist Homs. Unzählige ehemalige Bewohner sind auf der Flucht und können nicht nach Hause zurückkehren, obwohl sie das sicher gerne täten – die Stadt ist zu 60% zerstört. Hier greift das Projekt von Hadi Soufan ein: Die Internetplattform „The Architectural Post“ bringt Hausbesitzer, Architekten, Handwerker, Spender und Investoren zusammen. Unter absoluter Transparenz arbeiten alle Beteiligten am Wiederaufbau von Homs. Die Plattform kann als Blaupause für viele andere Kriegs- und Krisenregionen genutzt werden. „The Architectural Post“ bringt Hauseigentümer, Architekten, Arbeiter und Spender unter einen Hut. Zum Beispiel so: Eine Familie will ihr zerstörtes Haus reparieren lassen. Sie findet über eine Website einen Architekten, der einen Kostenvoranschlag erstellt. Auch der ist auf der Seite eingestellt. Spender erklären sich bereit, das Projekt zu finanzieren, Handwerker erhalten den Zuschlag – alles über die Website, auf der jeder Arbeitsschritt mit Fotos dokumentiert und jede Abrechnung eingestellt ist. Transparenz ist oberstes Gebot.

Firma: Reviving Home

Branche: gemeinnützige Einrichtung
Gründer: Abdoulhadi Soufan
Gründungsjahr: 2017
Gründungsort: Berlin und Damaskus
Mitarbeiter: nur den Gründer und viele Freiwillige in Homs
Niederlassungen: Homs

Web
https://www.revivinghome.org/

Beruf des Gründers in der Heimat: Architekt

Der Traum hinter dem Projekt

Heimatlosen Menschen ihre Wohnung und ihre Gemeinde zurück geben, und dabei Menschen in verschiedenen Regionen der Welt mit einander verbinden.

3 Fragen, 3 Antworten

WJD: Das große Thema Ihrer Plattform ist der Wiederaufbau von Häusern in Kriegs- und Krisengebieten. Wie sind Sie darauf gekommen?

Soufan: 2014, als die schlimmsten Kämpfe vorbei waren, haben wir die erste Initiative gestartet. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es unzählige „Lücken“ gibt beim Wiederaufbau. Die Frage war, wie man diese Lücken füllen kann. Wir haben also sehr viel hinterfragt, mit Menschen gesprochen und Forschungen angestellt. Auf der Basis dieses Wissens wollen wir umfassende Lösungen bieten, um den Menschen zu helfen. Dabei hilft uns, dass wir in Homs überall bekannt sind – man wartet förmlich darauf, dass es losgeht. Homs soll ein Vorbild für andere Städte wie Aleppo und Damaskus werden.

WJD: Wiederaufbau bringt ehemalige Feinde zusammen. Wie funktioniert das?

Soufan: Ich spreche jetzt mal theoretisch und nicht nur für Homs. Ehemalige Feinde MÜSSEN einfach zusammenarbeiten. Unser Projekt wird da ein Baustein sein. Unsere Arbeit bringt auf jeden Fall Menschen an einen Tisch, das kann ein Weg sein, eine friedliche Stimmung aufzubauen.

WJD: Wo liegen dabei die Grenzen des Möglichen?

Soufan: Als ich angefangen habe, haben mir Leute gesagt „Du bist verrückt, das kann nicht klappen.“ Aber es hat funktioniert; so geht das Schritt für Schritt, und irgendwie geht es immer weiter – und wie gesagt: Das ist meine Mission, und ich bin sicher: Wir können gewinnen oder erfolgreich sein. Sehr geholfen hat mir dabei übrigens hier in Berlin der „Incubator – Ideas in Motion“. Dort habe ich viele gute Tipps bekommen, wie ich mein Projekt an den Start bringen kann, wie ich mich mit den richtigen Leuten vernetze. Ich bin nun mal kein Experte für Sozialprojekte, da ist vieles neu für mich.

 

 

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