Herbert und Abdulhamid haben sich jetzt bereits mehrmals getroffen. Der 24jährige Syrer sprüht nur so vor Energie und Ideen. Mit der gleichzeitigen Herausforderung von App-Entwicklung, Jobsuche und Deutschkurs war allerdings klar, dass er dringend Hilfe braucht, wenn der Traum, ein Fitness-Armband auf den Markt zu bringen, sich verwirklichen soll.

Gründer: Abdulhamid Kouko

Idee: Fitness-Armband

Gründungsort: Berlin

Aufenthaltsdauer in Deutschland: seit 2 Jahren

Studium in der Heimat: Elektrotechnik / Bachelor

 

Gründerpate:

Name: Herbert Müksch

Nationalität: Österreich

Unternehmen: zuletzt Geschäftsführer der Bürgschaftsbank zu Berlin Brandenburg

Die Herausforderung:

Anders als für Abdulhamids deutschen und europäischen Kommilitonen steht für ihr viel auf dem Spiel: Besteht er nicht die letzte Sprachprüfung (C1) oder findet keine Stelle bis Frühjahr 2018, ist seine Aufenthaltsberechtigung in Gefahr – und damit die gesamte Planung der nächsten Jahre. Herbert Müksch, der die letzten 18 Jahre seines Berufslebens bei der BBB Bürgschaftsbank verbracht hat, zuletzt als deren Geschäftsführer, bringt die benötigte Ruhe und Struktur mit seinen über 40 Jahren an Berufserfahrung mit.

3 Fragen, 3 Antworten

WJD: Abdul, Du arbeitest gerade auf vielen Baustellen gleichzeitig – wie kommst du klar? Und wie kommst du mit Deiner Idee, dem Fitness-Armband voran?

Abdul: Ich hatte in Aleppo noch mein Studium der Elektrotechnik abgeschlossen; das war mir sehr wichtig. Meine Eltern und zwei Geschwister waren damals schon aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Momentan lasse ich meine Zeugnisse hier anerkennen, damit ich mich auf einen Masterstudiengang in Wirtschaftsingenieurswesen bewerben kann. Im September 2018 möchte ich damit anfangen. Allerdings muss ich erst einmal die C1 Prüfung im Februar bestehen, sonst werde ich nicht zugelassen – und muss womöglich Deutschland verlassen.

WJD: Erzähle mir mehr von deiner Idee. Fitnessuhren gibt es ja schon einige – was ist anders bei eurem Projekt?

Abdulhamid: Das Produkt soll keine Fitnessuhr sein – eher ein Fitness Bracelet bzw. Armband. Meine Vision ist, dass dieses Armband es möglich machen soll, Krankheiten oder auch Herzattacken vorauszusagen und zu vermeiden. Mittels Sensoren werden Patientenwerte gemessen und mit den Gesundheitsdaten von frei zugänglichen Datenbanken abgeglichen. Die Werte können zudem vom Arzt mittels einer Cloud kontrolliert werden – dabei spielt Web Security eine wichtige Rolle. Der Patient ist dem Arzt nicht unter einem Namen, nur unter einer Nummer bekannt. Das Bracelet soll quasi die Schnittstelle zwischen Patient, Datenbanken und Arzt sein.

Momentan sind wir im Migration Hub dabei, die Sensoren zu programmieren und zu testen. Der Prototyp läuft über Arduino, eine Computing Plattform mit frei zugänglichem Quelltext. Unsere Datenbanken sind z.B. über das Apple Database oder die Charité frei zugänglich – liefern aber mehr Daten als wir eigentlich brauchen!

WJD:  Herbert – was motiviert Dich, als Gründerpate bei Start-Up Your Future teilzunehmen?

Herbert: Fast die Hälfte meiner 40jährigen Berufslaufbahn habe ich damit verbracht, Fachkenntnisse im Beurteilen von erfolgreichen Gründungen zu sammeln, zuletzt als Geschäftsführer der BBB Bürgschaftsbank. Nun im Ruhestand, bin ich auch im Vorstand der Aprilstiftung tätig. Eine private Stiftung, die einen Leitfaden zur Berufsfindung junger Erwachsener herausgegeben hat. Meine Erfahrung und neu gewonnene Kenntnisse will ich jetzt in die Arbeit mit Geflüchteten einbringen. Toll finde ich die große Wissbegierde, die ich bei Abdul  sehe, und den Willen, etwas Neues für die Welt zu schaffen. Außerdem gibt mir unsere Zusammenarbeit die Möglichkeit, die arabische Kultur hautnah zu erfahren, was ich sehr spannend finde.

 

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